Die Geschichte der Post in Nortorf
Die Poststraße wurde zwar nach dem Weg zur Post benannt, das Postamt lag in der Zeit seit 1764 allerdings nur zwei Mal in der Poststraße selber. Das erste Mal von 1806 bis 1822 und dann noch einmal von 1851 bis 1867. Hier die ganze Geschichte:
- 1602 Die Hamburgischen Börsenältesten errichten regelmäßige Botengänge nach Dänemark, welchen ihren Weg nach Helsingör über Rendsburg, Flensburg, Odense und Kopenhagen nahmen.
- 1610 wurde in England die erste Postkutsche überhaupt in Betrieb genommen; die erste regelmäßige Verbindung, von London nach Chester, wurde erst 1657 eingerichtet. (Quelle: wikipedia.de)
- 1653 wird erstmals in Paris das “Billet de port payé”, ein Gebührenstreifen aus Papier, eingeführt. Er gilt als Vorläufer der Briefmarke, die offiziell erst 1840 eingeführt wird. (Quelle: wikipedia.de)
- 1694 nutzen die Boten die Strecke Hamburg – Glücksstadt – Itzehoe – Remmels (Hohenwestedt) – Rendsburg und weiter nach Norden. Sie gingen ca. 14 km westlich an Nortorf vorbei. Das nächste Postcomtoir befand sich damals in Rendsburg.
- 1750 haben sich Postkutschen als wichtigstes Verkehrsmittel im Überlandverkehr durchgesetzt. (Quelle: wikipedia.de)
- bis 1764 ging die schwedische Post nach Hamburg über Ulzburg – Neumünster – Rendsburg – Gottorf und kam stets über Nortorf, ein Ort ohne Postdienststelle. Den schwedischen Postillione war es bei Strafe verboten Post anzunehmen, die Nortorfer Bürger vertrauten den beliebten “Postschweden” gleichwohl ihre Briefe an, die diese trotz Ermahnungen, Bestrafungen und Inhaftierungen transportierten.
- 1. Juli 1764 Nortorf bekommt eine Post! Johan Jacob Ritzius wird zum Posthalter von Nortorf ernannt. Eine Posthalterei wurde eingerichtet. Am Freitag jeder Woche fuhr die Postkutsche nachmittags nach Neumünster und mußte nach 3 Stunden am Ziel sein. Sonntags fuhr sie gegen 9 Uhr nach Rendsburg und durfte die Fahrtzeit vom 3,5 Stunden nicht überschreiten.
- 1777 Johan Jacob Ritzius wird zum Postmeister befördert und ein “Postkontor” eingerichtet. Postmeister Ritzius stirbt 1787.
- 1764 bis 1822 dienen verschiedene Privathäuser der Postmeister als Postamt.
- Bis 1806 lag das Postamt unter den Postmeistern Ritzius, Münster und Sturm am alten Pferdemarkt (Peermarkt) in dem späteren Harmschen Gasthaus am Ende der Poststraße, die wohl in dieser Zeit ihren Straßennamen bekam. Der alte Gasthof brannte im Oktober 1911 nieder – heute steht dort das Geschäftshaus Willy Kiel.
- 1806 bis 1822 lag die Post in den Gebäuden der Tischlerei Schönwandt in der Poststraße Nr. 14. Das Gebäude wurde 1998 für den Bau der Stichstrasse zum Edeka-Markt abgerissen.
- 1822 bis 1848 war das Postamt vermutlich in der Kirchspielvogtei untergebracht, da der damalige Kirchspielvogt Quist zugleich Postmeister war.
- 1840 wurde die erste aufklebbare Briefmarke ab dem 1. Mai 1840 nach den Vorschlägen von Rowland Hill im Vereinigten Königreich herausgegeben (Quelle: wikipedia.de).
- 1842 werden die Fahrten der Postkutsche in eine Deligence (Eilpost) umgewandelt. Diese wurden mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie am 28. August 1845 eingestellt.
- Seit 1846 führt Nortorf einen Poststempel.
- 1848 wurde der Bahnhofsvorsteher Stamp mit den Aufgaben eines Postmeisters betraut. Bis zum Jahre 1851 wurde die Post wohl auf dem Bahnhof mit bearbeitet.
- 21. Juli 1849 wurde die Poststation und die Fuhrrolle in Nortorf aufgehoben. Die Beförderung lief seit einigen Jahren über die Eisenbahn und die Pferde und Fuhrknechte wurden offensichtlich beim Militär benötigt.
- 1851 wurde die Post in die Poststraße Nr. 14 zurückverlegt, nachdem die Amtszeit des Bahnhofvorstehers und Postmeisters Stamp beendet war.
- 15. April 1852 übernahm die General-Postdirection zu Kopenhagen wieder das Postwesen im Herzogtum Holstein und setzte in Nortorf Postmeister Hendrik Johann von Gericke ein.
- 1856 Die seit 1828 bestehende Postverbindung mit Remmels wird auf fünfmal in jeder Woche bestätigt. Die ca. 18 Km lange Strecke mußte zu Fuß gegangen werden. Diese Verbindung bestand bis zum 16. Juli 1865.
- 1867 wurde von dem damaligen Postverwalter Schladetsch in der Bahnhofstraße ein Posthaus gebaut.
- 1871 wurde eine Telegraphenanstalt eingerichtet. Telegramme konnten nun auch in Nortorf auf besonderen Leitungen durch Morsebetrieb übermittelt werden.
- 1876 Die Post in Nortorf trägt jetzt die offizielle Bezeichnung “Postamt III”, d.h. Postämter wurden damals nach je nach Größe in Gruppe I – III eingeteilt.
- bis 1881 ging ein Nortorfer Postbote über Schülp – Timmaspe – Krogaspe – -Böken – Bünzen – Bargfeld – Homfeld – Bucken – Innien – Gnutz. Dann wurde in Innien eine Postagentur eingerichtet.
- Ab 1 November 1890 wurde das benachbarte Haus (Bahnhofstr. 9) als Posthaus angemietet.
- Ab 1. April 1896 wurde die Bezeichnung erneut geändert in “Postamt II”. Die amtliche Bezeichnung war bis 1918 “Kaiserliches Postamt”, bis 1945 “Deutsche Reichspost”.
- Am 19. August 1899 wurde in Nortorf der Fernsprechverkehr mit zunächst 21 Teilnehmern eingerichtet. Bis zum Jahre 1953 stieg die Zahl auf 475 Teilnehmer an.
- 1903 erhält Nortorf eine öffentliche Fernsprechstelle (Telefonzelle).
- 1905 nimmt die Bayerische Post als erste in Deutschland eine Kraftpostlinie in Betrieb. Die von der Kraftpost eingesetzten Personenbusse hatten Briefkästen an Bord, in die Post eingeworfen werden konnte.
- Von 1914 bis 1999 war die Nortorfer Post in der Mühlenstraße Nr. 3 untergebracht.
- bis 1. Juli 1930 versahen sieben Landbriefträger die Postzustellung in und um Nortorf. Damals mussten immer noch weite Strecken zu Fuß zurückgelegt werden; täglich 20-35 Km waren Durchschnittsleistungen.
- Ab 1. Juli 1930 wurde die Post für die Stellen in den Dörfern mit zwei Landkraftpostwagen gebracht und vor Ort von dem dortigen Posthalter und seinen Hilfskräften zugestellt. Mit der täglichen Landkraftpost konnten in beschränkter Zahl auch Personen befördert werden.
- 1933 löst der Fernschreiber den Morsebetrieb der Telegraphenanstalt in Nortorf ab.
- Ab 1945 lautete die amtliche Bezeichnung der Postämter “Deutsche Bundespost”.
- Noch 1953 besaß Nortorf einen Landzusteller, der die Post in Thienbüttel, Bast und an die Bauern im Bargstedter Moor verteilte.
- 1949 brachten die Postzüge und Kraftposten täglich ca. 4.000 Postsendungen zur Verteilung, während rund 3.050 Sendungen aus dem Postbezirk befördert wurden. 2.000 bis 3.000 Pakete wurden monatlich weitergeleitet.
- Im Dezember 1953 wurden 12.000 Pakte ausgeliefert. Vor dem 2. Weltkrieg waren es ca. 4.000 bis 8.000 Stück.
- 1957 wird das letzte Mal Paketpost in Kiel (als vorletzte deutsche Stadt; zuletzt in Wuppertal) mit der Postkutsche ausgeliefert. Bis zum 30. März des Jahres wurde die Paketpost in der Landeshauptstadt mit 13 Pferdewagen zugestellt, die ein- oder zweispännig gezogen wurden. (Quelle: Kieler Stadtarchiv)
- Am 1. Dezember 1959 wird der Umbau des Postamtes fertiggestellt und der Betrieb in neu gestalteten Räumen aufgenommen.
- Seit dem 28. Oktober 1961 ist Nortorf im Selbstwählferndienst unter der Vorwahl 04392 erreichbar. Bis dahin mussten Ferngespräche vorher über Neumünster angemeldet werden.
- 1962 wurde dem Nortorfer Postamt die Selbständigkeit genommen. Es wurde betrieblich dem Postamt Neumünster unterstellt.
- 1979 werden täglich durchschnittlich 1.600 Briefe, Einschreiben und Wertbriefe, 300 Pakete, Päckchen in abgehender Richtung und 4.800 Briefe usw. und 300 Pakte und Päckchen in ankommender Richtung bearbeitet.
- 1979 beträgt die Fläche des Zustellbereiches 54 Quadratkilometer mit 8050 Einwohnern. Es wurden 4 Orts-, 3 Land- und 1 Paketzusteller beschäftigt, die vier Kraftfahrzeuge und drei Fahrräder zur Verfügung hatten. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 16 Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft bei der Post angestellt.
- Am 3. Nov. 1999 wird im Famila-Markt wird eine Postagentur eröffnet.
- Am 21. Oktober 2009 kommt die Post nach 142 Jahren wieder in die Poststraße zurück. Unser Geschäft wird Post-Partnerfiliale mit allen Versandleistungen der Deutschen Post AG.
Die Postamtsmeister bzw. Vorsteher des Postamtes Nortorf
- 1764-1787 Postmeister Johan Jacob Ritzius
- 1788-1792 Postmeisterin Katharina Maria Ritzius, Wwe. des Jac. Ritzius
- 1793-1802 Postmeister Samuel Johann Münster
- 1803-1806 Postmeister Frantz Martin Sturm
- 1807-1822 Postmeister Leutnant Thomas Andreas de Fine
- 1822-1848 Postmeister und Kirchspielvogt Diedrich Otto Heinrich Quist
- 1848-1851 Bahnhofsvorsteher Stamp wird mit den Aufgaben eines Postmeisters betraut
- 1849-1852 Keine Aufzeichnungen infolge kriegerischer Ereignisse in Schleswig-Holstein
- 1853-1864 Postmeister Heinrich Johann v. Gericke
- 01.05.1864 Postexpeditor Langhof (Commisarisch)
- 01.10.1864 Postexpeditor Schladetsch (später Postverwalter)
- 01.04.1887 Postverwalter Christensen
- 01.06.1892 Postverwalter Wilhelmsen
- 01.04.1896 Postmeister Mehrens
- 01.11.1914 Postmeister Michelsen (später Oberpostdirektor)
- 01.09.1931 Postmeister Schäfer (später Postamtmann)
- 01.07.1937 Postmeister Clausen
- 01.07.1946 Postmeister Schröder (gest. 20.01.1950)
- 01.03.1950 Postmeister Mordhorst (später Oberpostmeister)
- 01.10.1956 Postmeister Strutz (ab 1.6.1959 Oberpostmeister)
- 01.10.1962 Post-Obersekretär Kerbs
- 07.01.1963 Postbetriebsinspektor Wilhelm Böge
- 01.10.1978 Postbetriebsinspektor Paul Trinker
- 01.01.1992 Postbetriebsinspektor Rolf Pohlmeyer
Quellen:
- Nortorfer Chronik von Winfried Sarnow: Nortorf: Siedlung – Flecken – Stadt, Hrsg. von der Stadt Nortorf, Druck: Wachholtz 1981
- Forschungsbericht 166 aus dem Jahre 1979: Postgeschichte und Philatelie in den ehemaligen Herzogthümern Schleswig, Holstein und Lauenburg und den Freien und Hansestädten Hamburg und Lübeck. Hsrg. von der Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holsteinische Postgeschichte und Philatelie e.V.
- Postgeschichtliche Sammlung bzw. Dokumentation unseres Kunden Karl-Heinz Köller
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